Flüchtlingskrise, ein Zwischenruf

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Man mag von Angela Merkel`s Politik halten, was man möchte.

Aber die europäische Vision, die sie mit ihrer Willkommenskultur verband, sollte nun nicht an nationalen Alleingängen scheitern. Die Mitgliedsstaaten der Europäische Union sind schnell dabei, wenn es gilt, von Brüssel Gelder zu requirieren, aber wenn es um die Solidarität und gemeinsames Handeln geht, steht die Bundeskanzlerin schnell alleine da. Beharrlicher Egoismus sollte nicht an die Stelle früherer Solidaritätshandlungen treten, gemeint sind vor allem die Länder des ehemaligen Ostblocks: Tchechien, Polen, Ungarn, die Staaten des früheren Jugoslawiens und das Baltikum.

Nun sind genug “Argumente” gegen Flüchtlinge, darunter viele Schein – oder schlichtweg Falschargumente, in die politische Debatte getragen worden, um ihrer Willkommenskultur den Garaus zu machen. Jedoch befinden sich die meisten ihrer scharfen Kritiker auf dem Holzweg.

Britta Petersen hat in ihrem detaillierten Bericht aufgezeigt,

http://thepashtuntimes.com/why-europe-needs-a-new-renaissance/

wie wenig unsere abendländische Kultur von der geringen Prozentzahl der einströmenden Flüchtlinge – angesichts der Einwohnerzahl der EU – Länder – bedroht ist.

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Ich appelliere an die Mitgliedsstaaten der EU, Frau Merkel`s Engagement zu folgen und damit den Druck aus der Debatte zu nehmen, die bisher nur das Gespenst des Rechtsradikalismus befördert und damit das Modell Europa einer gefährlichen Zerreißprobe ausgesetzt hat. Die Bürokratisierung des Festungsaufbau Europa macht mit einem Mal zunichte, was Europa vorangebracht hat, nämlich den Bürokratieabbau in Form des Schengener Abkommens. Der europäische Gedanke sollte durch kleinliche Bürokratie nicht wieder zunichte gemacht werden. Die Freiheit wird durch Bürokratie eingeschränkt, lassen wir uns nicht zu Helfershelfern demokratiefeindlicher Parteien und Strömungen degradieren, aus einem angeblichen Sachzwang heraus.

Es liegt in ihrer Macht, liebe Mitgliedsstaaten, gemeinsam ein Kontingent an Flüchtlingen aufzunehmen und damit das Problem zu lösen.

Die meisten dieser von Bombenterror, Elend, Hunger und Not Betroffenen möchten nach Friedensschluss wieder in ihre Heimat zurückkehren. Und die meisten Flüchtlinge sind integrationswillig und – fähig.

Vergessen Sie nicht, dass durch Ihre Untätigkeit das Problem der Flüchtlingsstöme erst entstanden ist. Das jahrelange Wegschauen hinsichtlich des Syrienkrieges und anderer Konfliktherde dieser Welt fällt auf uns zurück. Es ist Zeit, dass sich Europa außenpolitisch gemeinsam stärker engagiert als bisher, indem es mit einer Stimme spricht.

Denken Sie an das Elend nach dem 2. Weltkrieg, das viel schwerer zu bewältigen war und dennoch in einem großen Kraftakt gelang.

Und vergessen Sie nicht, dass in der pakistanischen Provinz Belutschistan ein Genozid an der Bevölkerung stattfindet. Flüchtlinge aus Afghanistan und Pakistan werden zur Zeit außen vorgehalten.

Verpassen Sie die historische Chance nicht, gemeinsam dieses Problem zu lösen, denn es ist lösbar. Ihr politischer Wille zur Gemeinsamkeit würde ein starkes Europa ermöglichen. Wir sollten die Fehler der alten Politik der egoistischen nationalen Alleingänge vermeiden lernen, nur so kann Europa ein starkes Europa der Zukunft werden. Politisch wie wirtschaftlich.

Arbeiten Sie gemeinsam am Verteilungsmechanismus. Europa bürokratisch zur Festung auszubauen, hätte existenzielle Konsequenzen. Ich verweise auf ähnliche Polarisierungen in der Geschichte, siehe Römisches Reich und Chinesische Mauer als Beispiele.

Europa wird scheitern, wenn es weiterhin auf unbedachte Abschottung setzt.

Claudia 02

Claudia Wädlich

Korrespondentin und Kolumnistin der The Pashtun Times

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